Reformationsjubiläum 2017
Late-Night-Show: Gemeindebezirk Bruchhausen reaktiviert alte Dorfgaststätte

Mit Luther in die Kneipe

Ein weißes Hemd hab ich eh schon an, dann binde ich mir noch eine Schürze um und mache den Spülkellner, dachte sich Pfarrer Gunnar Wirth.

Tatsächlich wurde jede zusätzliche helfende Hand gerne angenommen. So viel war in der ehemaligen Gastwirtschaft »Zum Brunnen« in Bruchhausen wohl seit den 60er Jahren nicht mehr los, als noch die Kohlekumpel aus dem Ruhrgebiet in den kleinen Luftkurort bei Höxter kamen, um dort Erholungsurlaub zu machen. Am Samstag, 25. März, hat die ehemalige Betreiberfamilie Bremer die alte Wirtschaft noch mal aufgeschlossen und sie zum Ambiente für ein rustikales Luther-Podium gemacht.

Unter dem Titel Luther-Late-Night hatte der Gemeindebezirk Bruchhausen der Evangelischen Weser-Nethe-Kirchengemeinde zu einem nicht ganz ernsten Schlagabtausch zwischen dem katholischen Kirchenkabarettisten Udo Reineke (Warburg) und dem evangelischen Theologen Harald Schroeter-Wittke (Paderborn) im Reformationsjahr eingeladen.

Los ging es, einer Late-Night-Show angemessen - um 22 Uhr. Im rustikalen Retro-Ambiente des »Brunnens« waren trotz vorgerückter Stunde alle 80 Stühle an den Tischen der Örtlichkeit besetzt. Zusätzlich standen die Leute in allen Nischen, wo man einen Blick auf die Bühne erhaschen konnten, oder tummelten sich an der Theke, wo man zwar nichts sehen, aber immer noch alles hören konnte.

»Hat Luther auch Impulse für die katholische Kirche gegeben?«, fragte Reineke. »Unbedingt, denken wir doch nur an die vatikanischen Konzilien, die ohne Luthers Einfluss auf die christliche Welt so sonst nicht zu Stande gekommen wären«, antwortete Schroeter-Wittke. Und auch das Publikum war aufgefordert, den Theologieprofessor mit Fragen zu löchern. »Wie viele Kinder hatte Luther eigentlich wirklich?«, wollte eine Teilnehmerin wissen. Die Frage hört sich einfacher an als sie ist. »Es waren sechs, wegen der hohen Kindersterblichkeit damals, ist das nicht immer so eindeutig klar«, antwortete Schroeter-Wittke.

Es wurde aber auch viel gewitzelt und gefrotzelt. Beispielsweise darüber, dass es der Papst regelmäßig auf die Titelseite der Bildzeitung schaffe, was aus der evangelischen Welt bisher nur Margot Käßmann gelungen sei. Das Publikum fühlte sich bestens unterhalten. »Ich bin wirklich begeistert von diesem Abend, so lebendig habe ich mich noch nie mit Luther auseinandergesetzt«, sagte ein Besucher.

Und Musik gab es auch: Zwischen den Talks spielten »Eve and the Boys«. Die Bruchhäuser Gemeindeorganistin Eva Tebbe hatte extra für den Abend eine Band zusammengestellt. Mit Gitarrist Hubertus Schrick und Percussionist Tobias Künneke präsentierte Pianistin Tebbe Reformationslieder im leicht angerockten Arrangement. Das gefiel dem Theologieprofessor Schroeter-Wittke so gut, dass er sich für eine Choral-Session selbst ans Klavier setzte. (Burkhard Battran)

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